Vieles wird über die Filtertechnik geschrieben, sowohl über die Filterart, als auch über die Dimensionen, die so ein System aufzuweisen hat. Doch was ist nun richtig, welches System passt zu meinem Teich und wie viel Geld muss ich investieren um ein gut funktionierendes System zu haben? Fragen über Fragen und je mehr man sich mit diesem Thema beschäftigt, desto mehr Fragen kommen auf. Auch hinterlassen viele so genannte Fachhändler nicht gerade den besten Eindruck, wenn man Sie mit artspezifischen Fragen löchert. Oftmals sind Sie überfordert und kennen noch nicht einmal ihre eigene Produktpalette. Meist kommt man nach so einem Kundengespräch verwirrter heraus, als man hinein gegangen ist.
Mit diesem Artikel möchte ich einmal auf die Grundanforderungen die ein Filtersystem leisten muss aufmerksam machen. Außerdem möchte ich Ihnen ein Filtersystem aufzeigen, dass sich in der Praxis bei mir schon über Jahre bewährt hat. Vielleicht hilft dieser Artikel, einige Fragen zu beantworten. Sicherlich ist auch dieses System nicht das “Non-Plus-Ultra“ der Filtertechnik, aber welcher Koiliebhaber kann ein solches System schon sein Eigen nennen? Die Devise lautet eher:“Erlaubt ist, was funktioniert“, egal ob Eigenbau oder eine teuer erstandene Komplettlösung.
Nun, zuerst müssen wir uns im Klaren darüber sein, was so ein Filtersystem leisten muss. Jeder antwortet dann auf diese Frage immer mit dem selben Satz:“Der Dreck, den meine Koi produzieren muss aus dem Wasser raus!“ Welcher Neuling hat sich denn überhaupt mal Gedanken darüber gemacht, welche Arten von Schmutz sich da so im Teich ansammeln und ob der Dreck immer von den Koi ist?
Was finden wir denn alles so im Teich, was da eigentlich nicht hinein gehört?
Zuerst mal den Kot der Koi, Pflanzenreste, Laub, Algen, Futterreste und vieles mehr. Diese Dinge allesamt muss mein Filter aus dem Wasser nehmen, denn ich will ja sauberes und gutes Wasser für meine Lieblinge haben. Diese Dinge kann ich mit dem Auge erkennen, doch was ist mit den im Wasser gelösten Stoffen wie Ammonium, Nitrit, Nitrat, Phosphat, Eisen.... usw., wie bekomme ich die aus dem Wasser heraus?
Nun, ich werde Ihnen noch beschreiben, wie ich so ein Filtersystem sehe.
Wir haben nun also festgestellt, dass ein Filter mehrere Arbeitsschritte leisten muss. Zum einen muss er Grobpartikel (diese Aufgabe übernimmt der mechanische Filter) aus dem Wasser nehmen und zum anderen auch Giftstoffe (diese Arbeit soll der biologische Filter übernehmen) abbauen. Oftmals wird dann von einem so genannten “Mehrkammerfilter“ gesprochen. In der Speisefischzucht haben sich neben der ständigen Frischwasserzufuhr solche Mehrkammerfilter bewährt.
Wie ist so ein System nun aufgebaut?
In der Koihaltung wird dieses System meist folgender maßen aufgebaut, wobei das Wasser immer von grob nach fein den Filter durchläuft.
Zuerst der Vorabscheider, er besteht entweder aus einer so genannten Absetzkammer, einem Vortex oder Siebsystem. Es folgt dann die erste Schmutzkammer (meist bestückt mit Bürsten), anschließend die nächste Kammer (meist Japanmatten), gefolgt von der so genannten Biokammer (bestückt mit Zeolith, Gletscherrock, Bioballs, Lavagranulat und / oder sonstigem Material zur biologischen Klärung).
Was muß man nun beachten?
Die einzelnen Filterabteile müssen ihre Aufgabe auch bewältigen, so dass zum Schluss in der Biokammer auch keine Schmutzpartikel mehr ankommen, sondern nur noch die Giftstoffe, die im Wasser gelöst sind.
Was muß nun der Biofilter leisten?
Er dient zum Abbau der Schadstoffe im Wasser. Er soll eine Belastung des Wassers mit Ammonium und Nitrit verhindern, da diese Stoffe bei den Koi massive Schäden an inneren Organen und den Kiemen verursachen können.
Wie entstehen diese Stoffe überhaupt?
Die Koi nehmen Nahrung auf, verdauen diese zum Teil mehr oder weniger gut und scheiden dann das Endprodukt, sprich den Kot aus. Dieser Kot wird durch Bakterien, wie alles andere organische Material (Pflanzenreste, Laub, Algen... usw.) abgebaut. Es entsteht ein so genannter Faulprozess bei dem diese Stoffe entstehen (hervorgerufen durch anaerobe Bakterien). Diese Stoffe werden durch andere Bakterien (aerobe Bakterien) unter der Hilfe von Sauerstoff wieder umgebaut. Es wir hier von einem Oxidationsverfahren gesprochen, wodurch diese so genannten nitrifizierenden Bakterien unter der Anbindung von Sauerstoff aus Ammonium, Nitrit und schließlich das weniger fischgiftige Nitrat entsteht. Also soll die Biokammer aus den giftigen Stoffen (Ammonium und Nitrit), das weniger giftige Nitrat machen. Nun ist aber immer noch Nitrat, Phosphat und Eisen im Wasser.
Wie bekomme ich nun diese Stoffe heraus?
Wer sich mit Wasserpflanzen etwas auskennt, der weiß, dass gerade diese Stoffe als Dünger für die Pflanzen dienen. Will man nun nicht gerade die Algen düngen, die man ja im Teich nicht haben will, so setzt man Konkurrenzpflanzen ein. Am besten man läßt das Wasser erst durch einen Pflanzenfilter oder einen gut bepflanzten Wasserfall laufen, bevor es in den Teich zurück gelangt. Als Wasserpflanzen sind dabei sehr gut der Rohrkolben, die Teichbinse, Wasserlilie und Seerose geeignet. Unter Wasser kann man Harnkraut und Wasserpest einsetzen. Es gibt aber auch noch unzählig mehr Wasserpflanzen die sich dafür eignen. Einfach mal in einem Fachbuch blättern oder einen guten Botaniker aufsuchen und um Rat fragen.
Jetzt etwas zum Thema Algen:
Man unterscheidet in einem Koiteich zwischen Schwebealgen (Braun- und Grünalge) und den so genannten Fadenalgen, die es auf eine beachtliche Länge von mehreren Metern bringen können.
Wie kann ich diese Algen aus meinem Teich entfernen und / oder am Wachstum hindern?
Wie schon vorher beschrieben kann man dies durch die Entfernung der Nährstoffe durch die Konkurrenzpflanzen, was aber oftmals nicht gelingt. Die Bekämpfung der Schwebealgen ist relativ einfach. Mit einer UVC- Lampe (Ultra-Violett-Clearing) kann man ohne größere Probleme diese Algenarten bekämpfen. Das ultraviolette Licht degeneriert die Schwebealgen. Sie können sich nicht mehr teilen und somit nicht mehr vermehren. Zusätzlich wird ihre Oberfläche verändert. Sie werden klebrig und verklumpen zu größeren Dreckteilchen, die besser im Filter zurückgehalten werden können. Als Faustregel gelten dabei 2 bis 3 Watt Leistung pro 1000 Liter Teichwasser bei einer normalen UVC, durch die das Wasser gepumpt wird und etwa 1 Watt Leistung bei der so genannten Tauch-UVC, die vollkommen in einer Filterkammer versengt wird.
Die Haltbarkeit einer UVC-Röhre beträgt meistens ein Jahr. Ihre Leistung wird durch den normalen Verschleiß von Stunde zu Stunde geringer. Nach einem Jahr sollte man die Röhre tauschen, da sie soviel an Leistung eingebüßt hat, dass sie nicht mehr effektiv arbeitet. Zusätzlich gilt, dass je langsamer das Wasser durch die UVC geleitet wird auch die Effektivität der Lampe steigt. Also verwendet man die UVC in einem so genannten Bypass-System. Ein zusätzlicher Effekt ist die Vernichtung von Bakterien, also wird solch eine Lampe auch den Bakteriendruck in ihrem Teich vermindern. Aber, durch die Durchflussrate an Wasser und durch die geringe Leistung der meisten UVC-Geräte ist dieser Effekt eher zu vernachlässigen. Mit den Fadenalgen sieht die Geschichte etwas anders aus. Diese Algen wachsen nur bei idealen Wasserbedingungen, also genau bei dem Wasser, was wir in einem guten Koiteich haben wollen und sie wachsen selbst bei niedrigsten Wassertemperaturen.
Nun zum Thema Pumpen:
Eine Filterstation sollte immer mit zwei Pumpen ausgestattet werden. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Sollte einmal eine Pumpe ausfallen, so arbeitet die zweite Pumpe nach wie vor. Der Filter hat dann zwar nicht mehr die volle Leistung aber er funktioniert wenigstens noch und die Biologie in dem Filter, sprich die nitrifizierenden Bakterien sterben nicht ab. Nach dem Reparaturtausch der defekten Pumpe hat dann das System schnell wieder seine volle Leistung und der Filter muss nicht wieder neu eingefahren werden. Die Leistung der Pumpen richtet sich nach der Teichgröße wobei dabei gilt, dass das komplette Teichvolumen wenigstens alle zwei Stunden einmal durch den Filter laufen sollte.
Noch etwas zum Thema zusätzliche Belüftung:
Einer zusätzlichen Belüftung des Filters kann ich nur voll und ganz zustimmen. Wie ich vorher schon erwähnt habe, ist die Umwandlung von Ammonium in Nitrit und danach in Nitrat ein Oxidationsprozeß. Das heißt, die nitrifizierenden Bakterien verbrauchen zu diesem Abbau der Schadstoffe Sauerstoff. Wenn eine Belüftung angeschlossen wird, so sollte sie aber da platziert werden, wo auch die Bakterien am effektivsten arbeiten, also in der Biokammer. In allen anderen Kammern hat die Belüftung eigentlich keinen besonderen Nutzen. Eine Belüftung im Teich, besonders Nachts oder im Winter sollte immer möglich sein. Wer es in seinem Teich besonders gut machen will, der kann über einen Sauerstoffkonzentrator und eine elektronische Steuerung den Sauerstoffgehalt bei um die 100 % halten. Die Steuerung muß aber regelmäßig gewartet und geeicht werden.
Nun zum Schluß noch ein paar Faustregeln, die sich in der Koihaltung etabliert haben.
Die Größe des Filters richtet sich nicht nur nach dem Wasservolumen sondern auch nach dem Fischbesatz, denn danach richtet sich der Verschmutzungsgrad des Teiches. Ein Beispiel ist dabei das eingebrachte Futter in den Teich. Als Faustregel sollten in einem Teich pro 1000 Liter Wasser ca. 20 bis 30 cm Fisch schwimmen. Bedenken Sie, dass die Koi recht groß werden, also lieber ein paar weniger Koi halten als zu viele Koi. Als nächstes sollte der Filter ca. ein drittel des Gesamtvolumens aufweisen. Dies bezieht sich natürlich auf den Gesamtfilter, inklusive Pflanzenfilter und Bachlauf. Wie schon beschrieben ist es immer ratsam zwei Pumpen einzusetzen. Es kommt natürlich auch auf die Art des Filters und die Effizienz an. Bei Trommelfiltern mit Biokammer kann das Volumen sicherlich geringer sein, da diese Systeme enorme Leistungen bringen. Die Leistung der Pumpen sollte das komplette Teichvolumen wenigsten alle zwei Stunden einmal durch den Filter befördern. Eine UVC-Lampe ist eigentlich immer ratsam. Ich habe noch nicht erlebt, dass irgendein Teichbesitzer mal negative Erfahrungen mit solch einer Lampe gemacht hat. Sie sollte aber immer in einem Bypass-System laufen, denn nur bei einer geringeren Durchflussrate arbeitet diese Lampe effektiv.
Elektronische Teichsteuerung, also Mess- und Regeltechnik am Koiteich halte ich persönlich für eine gute Sache, nur sind diese Dinge nicht gerade billig. Außerdem gehört auch schon etwas an Erfahrung in der Koihaltung dazu, um diese Steuereinheiten auch richtig zu nutzen. Ob jemand mit solch einer Technik, Sauerstoffkonzentrator oder Ozonanlagen arbeiten will, kann oder muß jeder für sich selbst entscheiden. Nur soviel sei noch dazu gesagt, Wasser verbraucht sich mit der Zeit und wird auch mit der Zeit immer mehr mit Schadstoffen angereichert, egal welche noch so feine Technik man verwendet.... Das A und O ist und bleibt der Wasserwechsel am Koiteich und der sollte, egal bei welcher verwendeten Technik niemals unter 10 bis 20 % in der Woche liegen und das gilt auch für die Wintermonate.
Zum Schluss ist nur noch zu sagen, dass sich in der Filterbranche viel getan hat. Ob man nun selber einen Filter baut, oder ein fertiges Produkt bestellt hängt nicht nur von der eigenen Geschicklichkeit, sondern auch von den finanziellen Möglichkeit des Einzelnen ab. Sollten Sie noch Fragen haben, oder mal ein Filtersystem vor Ort anschauen, so machen Sie einfach einen Besichtigungstermin mit mir aus. Gerne zeige ich Ihnen meine Anlagen und gebe Ihnen Auskunft über die verschiedenen Filtersysteme die ich benutze. So verbleibt mit den besten Wünschen für Sie und Ihre Koi; der Händler Ihres Vertrauens
Ihr